Ein Teller voller Erinnerungen
Das Rezept mit dem Süss & Salato beginnt
Mit welchem Rezept könnte Süss & Salato besser beginnen als mit einem, das mir ganz besonders am Herzen liegt?
Allein der Gedanke daran treibt mir die Tränen in die Augen. Vielleicht, weil genau darin für mich die Magie des Kochens liegt: Essen kann viel mehr, als uns satt machen. Ein Geschmack, ein Duft oder ein einziges Gericht kann Erinnerungen wachrufen, von denen man gar nicht wusste, dass sie noch so nah sind.
Wie in Ratatouille, wenn der Restaurantkritiker den ersten Bissen nimmt und für einen kurzen Moment wieder das Kind am Küchentisch seiner Mutter ist.
Für mich sind es Polpette.
Le Polpette della mia Nonna Anna.
Meine Nonna ist vergangenes Jahr verstorben. Ihre Polpette waren in unserer Familie eines dieser Gerichte, die untrennbar mit einer Person verbunden sind. Kein aufwendiges Rezept, kein grosses Geheimnis. Einfach gute, ehrliche Küche.
Und trotzdem schmecken sie bei mir nie ganz so wie bei ihr. Vielleicht müssen sie das auch gar nicht.
Denn jedes Mal, wenn ich sie koche und der vertraute Duft durch die Küche zieht, passiert etwas: Für einen Moment ist dieses warme, behütete Gefühl von früher wieder da. Und ich glaube, genau darum geht es beim Kochen.
Und genau darum geht es auch bei Süss & Salato.
Um unkomplizierte Rezepte, die man wirklich nachkochen möchte. Um Gerichte, die Menschen an einen Tisch bringen. Um Kuchen, Pasta, Sonntagsessen und Rezepte, die vielleicht irgendwann selbst zu Erinnerungen werden.
In einer Welt, die immer schneller, digitaler und perfekter wird, sehne ich mich manchmal nach dem Lebensgefühl der 90er- und frühen 2000er-Jahre zurück. Nach Kochsendungen, die nicht perfekt inszeniert waren. Nach Kochbüchern mit Eselsohren. Nach Küchen, in denen tatsächlich gekocht wurde. Nach Essen, das nicht zuerst für die Kamera schön sein musste.
Kochen kann genau diese kleine Auszeit sein.
Und dafür braucht es weder besonderes Talent noch eine perfekt ausgestattete Küche. Kochen ist für alle.
Süss & Salato ist meine kleine Flucht zurück zu diesem Gefühl mit Rezepten von früher, Rezepten von heute und hoffentlich vielen, die irgendwann zu neuen Erinnerungen werden, nach denen wir uns eines Tages in der Zukunft wieder zurück sehnen.
Schön, dass du hier bist. Ab in die Küche!
Polpette mit Zucchetti – leichter als der Klassiker
Diese Polpette kommen ohne eingeweichtes Brot aus und werden nicht frittiert. Stattdessen sorgt fein gegarte Zucchetti für Feuchtigkeit und macht die Fleischbällchen besonders weich und saftig. Paniermehl kommt nur dann dazu, wenn die Masse etwas zu feucht ist. So bleiben die Polpette herzhaft und unkompliziert, sind aber etwas leichter als viele klassische Varianten.

Polpette mit Zucchetti
Zutaten
Kochutensilien
Zubereitung
- Zucchetti grob raffeln, leicht salzen und in einer kleinen Pfanne bei mittlerer Hitze weich garen, bis sie zusammengefallen ist. Zusätzliches Wasser ist nicht nötig.
- Die gegarte Zucchetti in ein Sieb geben, gut ausdrücken und vollständig abkühlen lassen. So wird die Masse später nicht zu feucht.
- Zwiebel und Petersilie fein hacken. Zusammen mit Hackfleisch, Parmesan und Ei in eine grosse Schüssel geben. Die ausgekühlte Zucchetti hinzufügen und alles mit Salz und Pfeffer würzen.
- Die Masse mit den Händen gründlich durchkneten, bis sich alle Zutaten gut verbunden haben. Falls sie noch sehr weich oder feucht ist, nach und nach etwas Paniermehl dazugeben.
- Aus der Masse kleine Bällchen formen und jedes davon ganz leicht in Mehl wenden. Eine dünne Schicht reicht völlig aus.
- Etwas Öl in einer grossen Pfanne erhitzen und die Polpette darin rundherum goldbraun anbraten. Dabei immer wieder vorsichtig wenden.
- Sobald die Polpette schön gebräunt und durchgehend heiss sind, mit einem guten Schuss Weisswein ablöschen. Den Wein kurz einkochen lassen, sodass zusammen mit dem Bratensatz eine kleine Sauce entsteht.
- Die Polpette direkt heiss servieren pur mit etwas Brot oder zusammen mit Pasta. Für die Pasta diese fast fertig gekocht direkt in der Pfanne mit dem Weisswein-Sösschen schwenken und die Polpette dazugeben.
Notizen
Warum macht Zucchetti Polpette so saftig?
Zucchetti besteht zu einem sehr grossen Teil aus Wasser. Beim Garen gibt sie Feuchtigkeit an die Fleischmasse ab und verhindert dadurch, dass die Polpette trocken oder kompakt werden.
Wichtig ist allerdings, die vorgekochte Zucchetti gut auszudrücken. Zu viel freie Flüssigkeit würde die Masse instabil machen. Genau die richtige Menge sorgt dagegen für besonders weiche und saftige Polpette.
Das Paniermehl kommt deshalb auch nur bei Bedarf dazu: Es nimmt überschüssige Feuchtigkeit auf und hilft, die Masse zusammenzuhalten.
